Ein Fremder im Bus

Eine Reise nach Jerusalem.

von Sina Dotzert, Hannah Schassner und Ensemble

Premiere: 25.06.15 in den Landungsbrücken Frankfurt

 

mit Elliot Ayling, Nikolas Etzel, Mahfam Nozhatshoar, Katharina Vollmer, Simon Zere

 

Viele Bilder zeigen: Religionen führen Kriege, Glaube macht blind und fanatisch, Rituale sind reaktionär. Doch ist das alles? Ist über dieses urmenschliche Phänomen denn nicht viel mehr zu sagen? Was passiert etwa, wenn wir uns Religionen erst einmal ganz naiv nähern und davon ausgehen, etwas Schönes zu finden? - So wie ein Tourist?

 

Wir packen unsere Koffer und nehmen mit: Eine Zahnbürste, eine Kippa, eine Kamera, einen Gebetsteppich, ein Lächeln, ein Akkordeon, eine Geschichte, einen Tick zuviel Weihrauch, die Anderen, eine Revolution, ein Messer, ein Skizzenbuch, eine kleine Buddha-Figur, eine Wunde und fünf Paar Schuhe. Am Bahnhof: unterwegs oder angekommen? Im Bus: Fahrkartenkontrolle! - Und Du bist raus!

 

Ein Fremder im Bus ist auf der Reise nach Jerusalem, nach Mekka, ins Nirvana und nach Preungesheim und trifft betende Menschen im Dom, einen witzigen Imam, Muslime im Partykeller, singende Juden, tanzende Pfinstgemeindler, analytische Atheisten und meditierende Buddhisten.

 

Die Stückentwicklung fängt die Perspektiven fünf junger Menschen auf Religionen und Glaubensfragen ein, fragt nach Erinnerungen, Konflikten und Traurigkeiten, Glücksmomenten und großen Zweifeln. Am Ende geht es darum, die mutigsten Fragen zu stellen und die schönsten Antworten zu hören, und darum, zu erkunden, was wir Touristen eigentlich sehen können und wollen.

 

Regie, Textfassung, Produktionsleitung: Sina Dotzert

Dramaturgie, Textfassung: Hannah Schassner

Assistenz und Fotografie: Mina Reinhardt Hassenzahl

 

Eine Produktion von Sina Dotzert in Kooperation mit theaterperipherie, Landungsbrücken Frankfurt und der jugend-kultur-kirche sankt peter. Das Projekt wird gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, vom Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main und von der EKHN Stiftung.

 

Pressestimmen EIN FREMDER IM BUS

 

Eine Auseinandersetzung mit der Religion, abseits der Klischees von fanatischen Fundamentalisten, blindem Glauben und reaktionären Ritualen wagen Sina Dotzert und Hannah Schassner in ihrer so genannten Stückentwicklung „Ein Fremder im Bus“. Ihre Protagonisten reisen auf eigene Faust von Preungesheim nach Jerusalem und zurück und lassen sich – eine Kippa, einen Gebetsteppich, reichlich Weihrauch und einen Buddha im Gepäck – auf Begegnungen mit den großen Weltreligionen ein. Voll die Touristen.

Vorankündigung, Strandgut 06/2015

 

Gibt es Religionen, die besser sind als andere? Oder ist es vielleicht besser, gar nichts zu glauben und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen, wenn es ihn überhaupt gibt? Die fünf Darsteller in „Ein Fremder im Bus“, Schüler, Studenten, junge Theatermacher in der Ausbildung, sind alle noch in dem Alter, in dem solche Fragen am meisten im Bewusstsein arbeiten. Dieser Tage vielleicht noch mehr, da religiöse Identität plötzlich wieder ein ausschlaggebendes Kriterium unter einem wachsenden Teil junger Leute ist.

 

Die Offenheit und Frische der Überlegungen, die ihre [Sina Dotzerts] fünf Akteure angestellt haben, überführt sie in die Struktur von bekannten Spielen wie ,Reise nach Jerusalem', Knobeln oder ,Wer zuletzt lacht', um der Frage nach der Religion auf die Spur zu kommen. Ein paar Pappkartons, eine Wand und etwas Licht genügen dafür – es gelingen nachdenkliche und sehr lustige Momente in diesem Stück, das die Zuschauer mit der Gretchenfrage beschäftigen will.

 Rezension, Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 21.07.2015

 

Die Gretchenfrage aus Faust – Wie hältst du's mit der Religion? - wird auch gestellt, doch nimmt das Quartett alle fünf großen Weltreligionen ins Visier. Dabei gehen die Spieler ganz untheologisch vor. Wie naive, unbedarfte Touristen, aber auch pragmatisch wie Mitarbeiter von der Stiftung Warentest. Welche Religion passt zu mir? Was macht sie mit mir? Und bei welcher gibt es was zu essen? Das kippt manchmal ins Alberne ab, verliert aber nie die Aufrichtigkeit. Mahfam beispielsweise sucht [...] in einem bewegenden Selbstgespräch danach, unter welchen Bedingungen sie sich als Frau selbstbestimmt bewegen kann – und weiß zumindest schon mal, was sie nicht will.

 

Weltweit vertraute Kinderspiele, wie ,Die Reise nach Jerusalem' oder ,Schnick Schnack Schnuck' bilden das Scharnier und das Vehikel eines Abends, an dem es mit viel Witz und großer Spielfreude um die letzten, oder auch ersten großen Fragen geht: Dass sowas mit dieser Thematik in einem Jugendtheater (wieder) funktioniert, ist allerhand.

 

Rezension, Strandgut, September 2015

 

 

Die Reise nach Jerusalem und Mekka, ins Nirvana und nach Preungesheim wird so zur unterhaltsam-komischen wie ernsthaft hinterfragenden Exkursion, die die Spuren eines urmenschlichen Phänomens verfolgt.

 FRIZZ Magazin, September 2015